Feminismus

Ohne den feministischen Kampf ist die Revolution nichts, und ohne den revolutionären Kampf ist der Feminismus nichts. In unserem feministischen Verständnis sind wir klar antikapitalistisch, denn das Patriarchat dient dem Kapitalismus und der Kapitalismus dem Patriarchat. Wir sehen das im Bereich der Haus- und Sorgearbeit, die überwiegend von FLINT-Personen ausgeübt wird, oft entweder schlecht entlöhnt oder unbezahlt und oft zu miesen Bedingungen. Diese Arbeiten werden gesellschaftlich abgewertet und in den privaten Bereich verdrängt, obwohl es für uns lebensnotwendig ist, dass wir im Alter gepflegt, als Kinder erzogen und am Krankenbett versorgt werden. Im Bereich dieser Art von Arbeit zeigt sich die menschenfeindlichkeit des Kapitalistischen Systems sehr gut: Vielfältige menschliche Bedürfnisse werden abgewogen gegen die „Wirtschaftlichkeit“ eines privatisierten Krankenhauses / Altersheims / KiTa.

Das Patriarchat spaltet uns (Frauen gegen Männer, queer gegen hetero, cis gegen trans oder Kombinationen davon) und der Kapitalismus nutzt diese Spaltung um uns effizienter auszubeuten. Weil wir diesen Spaltungsversuchen entgegenwirken wollen, und weil wir uns als Verbündete sehen, ist unser Feminismus solidarisch und untrennbar verwoben mit der Queer- und Transbewegung. Wir sind inspiriert vom feministischen Kampf in Rojava, von den gewaltsam revoltierenden Feminist*innen in Südamerika, von schwarzen Kommunist*innen in den USA. Unser Feminismus hat nichts mit liberalem Feminismus zu tun, der suggeriert, dass jede Entscheidung die eine Frau trifft, inhärent feministisch ist, auch wenn das bedeutet, Kapitalistin oder Imperialistin zu werden. Im Gegenteil, diese „Feminist*innen“ sehen wir als unsere Feind*innen, genauso wie rechte und/oder transfeindliche „Feminist*innen“.

Patriarchale Herrschaft betrifft uns auf unterschiedliche Art und Weise. Sie ist mit unterschiedlichen Formen von Dominanz und Ausbeutung verwoben, wer von Rassismus betroffen ist erlebt patriarchale Unterdrückung anders als eine Person mit Behinderung. Trotz unterschiedlicher Kämpfe stehen wir alle die von patriarchalen Strukturen unterdrückt werden auf einer Seite. Angriffe auf eine*n von uns sind Angriffe auf alle von uns. Wenn beispielsweise misogyne Tendenzen zunehmen, leiden neben Frauen auch schwule Männer darunter, unter transfeindlichen Reglementen im Sport leiden neben trans Menschen auch cis Personen die Geschlechternormen ebenfalls nicht entsprechen. Doch unabhängig von der eigenen Betroffenheit ist es eine Frage der Solidarität, auch jene Unterdrückungsformen zu bekämpfen, von denen nur andere negative Auswirkungen spüren. Das Patriarchat von verschiedenen Standpunkten aus anzugreifen betrachten wir als eine Stärke unseres gemeinsamen Kampfes.
Auch im Punkt Reproduktionsrechte wird klar, wie eng die queere und die feministische Bewegung zusammenhängen: Selbstbestimmung über die eigene Reproduktionsfähigkeit wird nicht nur gebärfähigen Personen mit Anti-Abtreibungsgesetzen genommen, in vielen Ländern werden trans Menschen genötigt, sich sterilisieren zu lassen, damit ihr Geschlecht legal anerkannt wird. Der gemeinsame Feind ist in dieser Frage unter anderem der religiöse Fundamentalismus, weswegen wir den Kampf gegen reaktionäre Institutionen wie z.B. den jährlich stattfindenden „Marsch für’s Läbä“ unterstützen und als zentral für die Festigung der Solidarität von verbündeten Bewegungen sehen.

Weil Feminismus uns alle betrifft, sehen wir cis Männer sowohl in der Verantwortung, als auch befähigt, feministisch Position zu beziehen. Wir glauben, dass man unabhängig von der direkten Betroffenheit korrekte Positionen über Unterdrückungsmechanismen und eine solidarische Praxis entwickeln kann und sollte. (Dem Wort einer dahergelaufenen bürgerlich-feministischen Frau messen wir sicher nicht mehr Gewicht bei als dem eines solidarischen revolutionären Feministen.) Das Diskutieren feministischer Themen in geschlechtergemischten Gruppen gewährleistet, dass sich cis Männer aktiv mit dem feministischen Kampf befassen. Antifeminist*innen sind auch organisiert, also müssen wir uns alle gemeinsam gegen sie organisieren und dies nicht einfach auf FLINT-Personen abschieben.
Gleichzeitig haben wir Strukturen ohne cis Männer als wichtiges Instrument erlebt, um FLINT-Personen zu vernetzen und Männerbünde zu sprengen. In solchen Rückzugsorten wird es besser ermöglicht, Kritik zu erarbeiten und geschlossen auszuüben, was für die Stabilität der Gesamtgruppe von grosser Bedeutung ist. In der Vernetzung solcher FLINT-Strukturen untereinander sehen wir ein Mittel, um als Bewegung kontinuierlich unsere feministischen Standpunkte zu schärfen. Denn Sexismus in unseren Strukturen schwächt uns, indem er FLINT-Personen ihre politische Arbeit erschwert und Tür und Tor für reaktionäre Positionen und Handlungen eröffnet.

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